MASQUE
Eine afrikanische Oper von Hans Huyssen und Ilija Trojanow

Inhalt    Motiv für eine neue Oper     Ziele

 

Projektbeschreibung:

Hans Huyssen (Komponist), Ilija Trojanow (Librettist), Dizu Plaatjies (afrikanischer Musiker) und Angelo Gobbato (künstlerischer Leiter des Opernhauses von Kapstadt) haben sich auf das Gemeinschaftsprojekt einer „südafrikanischen“ Oper eingelassen. Die Premiere wird am 29. Oktober 2005 am Artscape Theatre in Kapstadt stattfinden. (Die Partitur wurde durch NAC, Pro Helvetia und die Swiss Developement Corporation in Auftrag gegeben. Akt 1 wurde bereits fertiggestellt, der Rest ist in Arbeit.)

MASQUE wird eine nationale Produktion werden, einschließlich Libretto und Partitur. Unter Einbeziehung traditioneller Xhosa Musiker soll die Vielfalt der Musikstile der heterogenen südafrikanischen Geschichte, insbesondere jene der Kapregion, widergespiegelt werden.

Die Besetzung wird aus Sängern und Musikern aus dem Bereich der traditionellen afrikanischen Musik, der Alten Musik, sowie der herkömmlichen „klassischen“ Musik bestehen. Dementsprechend verlangt die Partitur nach afrikanischen, „alten“ Renaissance- und Barock- und zeitgenössischen Instrumenten. Jede Gruppe wird ihren Beitrag in ihrem ganz speziellen musikalischen Idiom leisten und dadurch eine vielfältige Klanglandschaft erzeugen. Dies soll dem Streben des heutigen Südafrika gerecht werden, das endlich beginnt, sein Erbe zu schätzen und dies in einem würdigen Rahmen - nicht in einem modischen cross – culture Gemisch - ausdrücken möchte.
Im Libretto kommen dem gemäß europäische und afrikanische Charaktere (und folglich Sänger) vor. Die Figuren – unterstützt durch das abwechslungsreich zusammengestellte Orchester – können einen Bezug zur Geschichte herstellen und sich gleichzeitig in der Sprache der heutigen Zeit ausdrücken.
Darüber hinaus können sie mühelos von einer Zeit in die andere gleiten. Es ist Absicht der Oper, niemanden auf eine fixe Rolle festzunageln, sondern jeden in seiner Identität zu schätzen und dadurch erst frei zu machen.

Aufgrund ihrer Eigenart eröffnen Produktion und Aufführung dieses Werkes eine ganze Reihe von Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen lokalen und europäischen Musikern, Sängern, Regisseuren usw. Der Inhalt des Werkes ist zugleich auch sein Programm: Es soll Künstlern verschiedenster Herkunft die Chance einer tiefgehenden Begegnung während der Probenphase und der Aufführungen geben. Die Teilnahme europäischer Spezialisten für Alte Musik ist unabdingbar, da es in Südafrika ganz einfach keine Zinkenisten und Barockposaunisten gibt. Ziel für die Zukunft wäre eine echte Koproduktion mit einem Opernhaus / Theater im Ausland, und somit ein (süd-)afrikanischer Beitrag zum internationalen Musiktheater.

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Inhalt:

MASQUE beginnt mit einer berührend einfachen und zugleich wunderschönen getanzten Darstellung eines Schöpfungsmythos der Fulani. Die Elemente der Schöpfung (Stein, Eisen, Feuer, Wasser, Luft), wie auch ihre Gegenkräfte (Blindheit, Schlaf, Leid, Tod) – symbolisiert durch fünf Masken - sind Ausgangspunkt der Rollen für fünf Sänger und fünf Tänzer.

Die Handlung entwickelt sich rund um diese afrikanischen Masken, die in einem europäischen Museum ausgestellt werden. Dort sind sie wertvolle Kunstobjekte, Thema gelehrter Abhandlungen, aber eben nur reine „Dinge“. Für den „African Griot“ (einen Charakter mit übersinnlichen Fähigkeiten), der die Ausstellung besucht, sind sie jedoch die Personifizierung echter Geister – die durch seine Berührung wieder zum Leben erwachen. Sie sehnen sich nach einer Rückkehr in ihre Heimat und flehen um Befreiung. Verkleidet in Kostümen unserer Zeit versucht jede Maske heimzukehren. Dabei begegnet sie ihrem zivilisierten, modernen Archetypus und ist am Ende wieder gefangen – nun jedoch als „Illegaler“ in einem Gefängnis.

Große Verwirrung entsteht, als der angebliche Kunstraub mit den Verhaftungen in Verbindung gebracht wird. Der Kurator ist verwirrt darüber, dass seine Masken entlaufen sein sollen – und der Polizist, dass seine Sträflinge unschätzbare Kunstwerke sein sollen.

Kulturelle Unterschiede, wie auch archetypische Ähnlichkeiten, treten auf unerwartete Weise in den Vordergrund, wenn das Libretto in äußerst offener Weise und weit entfernt von Oberflächlichkeit unsere heutige Zivilisation betrachtet. Nach dem momentanen Stand der Dinge kann es kein Happy End geben, außer vielleicht auf der Ebene persönlicher Begegnungen.

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Motiv für eine neue Oper:

„Multikulturelle“ und sogenannte „cross-culture“ Projekte sind heutzutage groß in Mode, selten wird aber über ihre tiefere Bedeutung nachgedacht. Folglich sind die Ergebnisse entweder für eine Seite oder für beide oft enttäuschend, weil ganz einfach charakteristische Qualitäten einem gemeinsamen Nenner geopfert werden. Wie gut auch immer die Absichten bei solchen Werken sein mögen, sie enden im Prinzip in einem Verrat kulturellen Ausdrucks, sprechen niemanden direkt an und werden dadurch bedeutungslos.

Südafrikas kulturelle Vielfalt ist ein faszinierendes und fruchtbringendes Vermächtnis , das es in seiner Komplexität noch zu verstehen gilt, um zu einer wahren „nationalen kulturellen Identität“ zu gelangen. Solch ein umfassendes Gefühl von Identität müsste sich auf verschiedenste Bevölkerungsgruppen erstrecken – etwas was wir nur erreichen können, wenn wir uns konstant darum bemühen, Unterschiede und die daraus resultierenden vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten zu verstehen.

MASQUE ist ein Schritt auf diesem Weg. Ziel ist es, eine Möglichkeit zu schaffen, in der tief verwurzelte Werte, Motive und Unterschiede einander in einem sinnhaften Kontext und ohne Vorurteile begegnen können. Im Idealfall sollten alle am Projekt Beteiligten einander ein Spiegel sein, in dem die Einzigartigkeit des Einzelnen innerhalb seiner eigenen Grenzen sichtbar werden sollte.

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Ziele:

Es soll ein Raum für eine Zusammenarbeit von afrikanischen und europäischen Künstlern geschaffen werden.

Traditionelle afrikanische Musik und die Alte Musik Europas - beide unglaublich schön in ihrer reinen Form – sollen als Bausteine einer national bedeutenden zeitgenössischen Oper erklingen, nicht in akademischer oder historisierender Form.

Weiters gilt es den Versuch zu unternehmen, zu einem vertieften interkulturellen Verständnis zu gelangen. Dabei soll sicher speziell der südafrikanische Kontext angesprochen werden, aber auch die Spaltung in die sogenannte „Erste“ und „Dritte“ Welt.

Das Projekt ist als afrikanisch–europäische Koproduktion mit Aufführungsorten in beiden Kontinenten angelegt. Zielpublikum sind Menschen verschiedener Hautfarbe, die durch diese Oper zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis gelangen sollen.

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